Wolken

Andachten in Zeiten des Corona-Virus

24. Mai - Sonntag Exaudi - Bedienungsanleitungen für Fortgeschrittene (Jeremia 31, 31-34)

Ich erinnere mich gerade daran, als meine Eltern den ersten Videorecorder kauften. Natürlich waren wir alle sehr aufgeregt. Ungeahnte Möglichkeiten würden sich nun auftun. Eine Welt, in der einem Filme nicht mehr nur nach der Willkür des Fernsehprogramms zur Verfügung stehen, sondern immer wenn man selber will - so lange der Vorrat an Videokassetten reicht.

Doch auch sie kennen diesen ernüchternden Moment, der auch uns in dieser Situation ereilte, wenn man zum ersten Mal die Bedienungsanleitung aufschlägt. Die einzelnen Worte scheinen Deutsch zu sein, aber man versteht trotzdem nichts davon. Genauso gut hätte die Anleitung auch auf japanisch sein können. Man wünschte sich den Ingenieur da zu haben, der das Gerät konstruiert hat. Mit seinem Insiderwissen müsste er jedes Problem sofort lösen können.

Da das aber nie eine Option ist, verfallen wir auf die klassische Methode des selber Ausprobierens. Mit etwas Glück hat man schon nach einer Stunde die richtigen Knöpfe gefunden. Manchmal dauert es aber auch erheblich länger und kann sehr frustrierend sein. Aber ja, auch wir lernten schließlich, wie Filme aufgenommen und abgespielt werden.

Mit unserem Leben als ganzes ist es zuweilen kaum anders. Auch hier wünschen wir uns, dass mehr Klarheit herrschte darüber, wie wir leben sollten und die Herausforderungen meistern, die sich uns in den Weg stellen. Als Christen haben wir sogar eine Bedienungsanleitung. Doch die erweist sich bei genauerem Hinsehen auch oft als höchstens für Fortgeschrittene. Auch der Äthiopische Finanzminister, von dem in der Apostelgeschichte erzählt wird, musste zugeben, dass er nicht verstehen kann, was da geschrieben steht, ohne dass es ihm jemand erklärt.

Was tun, fragten sich zunächst wohl auch die Jünger, als Jesus wieder verschwunden war am Tag seiner Himmelfahrt. Der Ingenieur des Lebens nicht mehr bei ihnen und die Bedienungsanleitung des Lebens manchmal nur für Experten verständlich, wie es schien.

Der Sonntag Exaudi beschreibt die Lösung für dieses Problem. Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten steht er. Zwischen dem Gehen von Jesus und dem Kommen des versprochenen Expertengeistes von Gott. Ein Geist, der Verstehen schenkt und so die Bedienungsanleitung und das Leben meistern hilft. Aber das ist dann schon die Geschichte von Pfingsten.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Pastor Olaf Gieseke

21. Mai - Christi Himmelfahrt - Achterbahn der Gefühle (Johannes 17, 20-26)

Monate der Einschränkungen. Besuche unerwünscht. Viele Geschäfte geschlossen. Öffentliche Begegnungen untersagt. Veranstaltungen abgesagt. Das Leben schrumpft so ziemlich auf die eigenen vier Wände zusammen. Die Decke fällt uns auf den Kopf. Steigende Fallzahlen werden täglich berichtet.
Doch dann keimt neue Hoffnung auf. Neuansteckungen geschehen langsamer. Erste Lockerungen werden verfügt. Mehr Geschäfte öffnen. Es scheint wieder ein Leben vor der Tür zu geben. Normalisiert sich jetzt alles wieder?
Doch dann mehren sich auch schon die Stimmen der mahnenden Experten. Jetzt bloß nicht übermütig werden. Die Ansteckungsrate scheint schon wieder zu steigen. Eine zweite Welle könnte drohen. Sogar das Münchner Oktoberfest - ja erst im September - ist nun schon abgesagt.
Was gilt denn nun? Die Hoffnung, dass die Dinge sich bessern? Oder die Warnung, dass alles noch viel schlimmer kommen könnte? Die Gefühle sind wie in der Achterbahn. Himmelhochjauchzend wechselt mit zu Tode betrübt. So wie es eigentlich immer ist, wenn umwälzende Dinge um uns herum passieren, so wie jetzt.
So war es auch bei den Jüngern schon. Gerade kürzlich erst hatten ihnen die Kreuzigung und der Tod von Jesus den Boden unter den Füßen weggezogen. Über zwei Tage hatten tiefste Trauer, Angst und Verzweiflung ihr Leben bestimmt. Dann der Ostertag, als Jesus wieder in ihrer Mitte stand. Die Überschäumende Freude und das überbordende Triumph Gefühl kann man sich vielleicht ausmalen.
Doch nur wenig später stehen sie wieder alleine da, auf einem Hügel vor den Toren Jerusalems. Jesus war einfach wieder verschwunden. Sie fangen wohl wieder bei Null an. Wie soll es jetzt weiter gehen, wo sie wieder alleine dastehen?
Wir machen uns heute selten Gedanken um den Feiertag Christi Himmelfahrt. Für die Jünger war dieser Tag sicher umwälzend und ließ sie auf der Achterbahn der Gefühle wieder nach unten stürzen. Aber Jesus ging nicht ohne ihnen ein Versprechen zu machen. Sie würden nicht alleine bleiben. Sie sollten nur eine kurze Zeit abwarten und Jesus würde ihnen ein Geschenk von Gott dem Vater machen, das sie für immer mit ihm verbinden sollte, auch wenn er nicht mehr selbst bei ihnen war. Selbst wenn es runtergeht in der Achterbahn, so wissen wir doch, dass es auf der anderen Seite auch wieder rauf geht.

Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.
Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.  Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Pastor Olaf Gieseke

"Mittwoch geb ich auf." ( Jak 1,12)

Herr Selbstkondition wartet. Er wartet geduldig. Eigentlich besteht sein Leben bis jetzt aus Warten und Geduldhaben. Während sich der Lauf der Dinge bei den anderen schneller fügt, geht es bei Herrn Selbstkondition immer nur mit Wartezeit. Was nicht heißt, dass er immer nur der Mann für die zweite Chance oder den zweiten Versuch ist. Nein, er ist schon Topliga. Drum hier ein paar Beispiele, damit wir ihn besser verstehen:
Während die Klassenkameraden ihre Noten der Abschluss-prüfung bereits haben, wartet Herr Selbstkondition darauf. Bei ihm fehlt eine Note, ein Papier, aber das weiß er nicht, er solle sich gedulden. Natürlich denkt er, er sei durchgefallen. Die große Unwahrscheinlichkeit dieser Tatsache hin oder her, aber was würden Sie denn denken?
Als er sich auf seinen ersten Job bewirbt, das gleiche Spiel. Nach vier Wochen Bewerbungsfrist tut sich nichts. Herr Selbstkondition zweifelt. Als Jahrgangsbester hätte er zumindest mit einer persönlichen Absage gerechnet. Nochmal zwei Wochen weiter bekommt er die selbstverständliche Zusage, der zuständige Sachbearbeiter war nur im Urlaub.
Solche Begebenheiten sind es, die Herrn Selbstkondition immer wieder an sich zweifeln lassen, obwohl er sich viel emotionalen Dauerworkout sparen könnte, wenn er nur mehr Geduld haben würde. Denn bis jetzt hat es sich alles, wenn auch später als bei anderen, glücklich gefügt.
Doch nun sagt er sich: Mittwoch geb ich auf. Denn da ist diese Sache mit der Liebe. Sowas hat er noch nicht erlebt. Dieses Gefühl erträgt keinen Aufschub, keine Geduld, keine Wartezeit und doch, Herr Selbstkondition wäre nicht er, wenn auch in dieser Sache nicht wieder genau das erforderlich wäre: Abwarten, zuversichtlich sein. Sein ganzes Leben hat er versucht das zu lernen, und nun hat er einen halben Tag nichts von ihr gehört. Morgen, Mittwoch, geb ich auf, sagt er sich.
Wenn da nicht diese andere Stimme wäre, die Lebenserfahrung heißt, und die ihm flüstert, dass es sich schon fügen wird, mit….., genau: Geduld.
Nicht einmal eine Minute nach diesen Gedanken erreicht in diese whatsapp: Entschuldige mein Schatz, Handy auf der Arbeit vergessen, wie geht es Dir?
Selig ist, wer Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Jak 1,12
Ihre Alida Weinert

Resolute Revolution. ( Lk 18,1-8)

Gestern war bei ihr eine Freundin zum Tee da, auf Abstand versteht sich, sagt sie gleich dazu für alle, die es dieser Tage noch genauer nehmen als sonst. Die Freundin nennen wir Justine. Also Justine war bei ihr zu Besuch. Und sie erzählt ihr, dass sie nicht arbeiten darf, wegen Corona natürlich. Von jetzt auf gleich war Schluss, Justine bezeichnet es wie einen Verkehrsunfall, plötzlich und unvorhergesehen, der Schock saß tagelang in ihr. Es dauerte, bis sie als Soloselbständige wieder zu einer Tagesstruktur zurückgefunden hatte: aufstehen, Pausenzeiten trotzdem einhalten auch wenn nicht gearbeitet wird, ausgiebig kochen, damit die Zeit rumgeht, auf`s Geld achten. Justine lacht hämisch als sie ihr erzählt, sie sei nicht systemrelevant, hunderte von Frauen würden das allerdings anders sehen, weiß sie.
Justine will ihr Recht. Schreibt Anträge auf Unterstützung, nutzt die so umfangreich ausgelobten Hilfsangebote aus. Nach Abschluss des ganzen Papierkrams erhört sie eine Instanz und Justine erhält einen kleinen Beitrag, vom Rest ihrer Anträge hört sie nichts mehr.
Das macht Justine rasend. Geboren und aufgewachsen ist sie bei Dresden, noch vor der Wende ist sie rüber. Sie hatte die Verbote so satt, wollte leben und frei sein. Corona ruft die uralten Ängste in ihr wach, lässt ihre Skepsis gegenüber dem Staat neu aufflammen, und die alten „hilf-Dir-selbst-Ideen“ wieder aufkeimen. Keine Frage, Justine kommt zu ihrem Recht, sie weiß auch schon wie. Denn zäh ist sie, und aufgeben, das kommt nicht in Frage.

Jesus sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit beten und nicht nachlassen sollte, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam immer wieder zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden? Lk 18,1-8

Ihre Alida Weinert

Wenn Sie Gesprächsbedarf haben, einfach mal quatschen wollen über Gott und Corona und was diese Situation mit Ihnen macht, Sie erreichen mich unter der Telefonnummer: 819.

Corona-Andacht (5.) Dass Du mich liebst... (Mt, 22,15-22)

Du sprichst gerne über Geld. Weil Du es hast. Meine Oma sagte immer: über Geld spricht man nicht, das hat man nur.
Du meinst es nicht böse, und angeben willst Du damit auch nicht. Geld bedeutet für Dich Sicherheit. Und wenn Du mit mir über Geld sprichst, dann heißt das für Dich, dass Du mir Sicherheit geben möchtest, mir sagen, dass ich mich fallen lassen kann. Mir sagen, dass Du mich liebst. Das habe ich jetzt verstanden, dass Du kein Angeber bist und dass ich nicht mithalten muss mit dem Ansammeln von Geld, nein, das verlangst Du nicht von mir zum Glück, das wäre nichts geworden...

Gerade jetzt in der Krise bist Du froh, dass Du weiter krisenfest sein kannst. Da stehst Du groß und etwas mager, und strahlst sie aus, die Sicherheit und die Liebe, die kann ich in Deinen Augen sehen. Und ich weiß, dass es Dir letztlich dann doch nicht ums Geld gehen kann, denn das hast Du während Deiner Krankheit gelernt, dass auch mit dem finanziellen Polster Heilung nicht garantiert wird.

Dein Sicherheitsbedürfnis entspricht meinem, ich habe ein anderes Bild dafür, und doch kommt es aufs Gleiche heraus. Da ist etwas, jemand, der mich auffängt, der mir eine Garantie gibt, bei dem ich toben und zetern kann wie ich will in der Krise gerade, und der mich doch nicht loslässt, dem alle Verzweiflung und alles Glück nie zu viel wird, der mich liebt über den Tod hinaus, der allen Viren und aller Distanz standhält - für mich. Ich nenne ihn, wie Du: Gott.

Er liebt Dich und mich, und dass Du mich liebst, das habe ich trotz des Geldes verstanden.
Da gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, dass sie ihn fingen in seinen Worten, und sandten zu ihm ihre Jünger samt den Anhängern des Herodes. Die sprachen: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was meinst du: Ist's recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt, oder nicht? Da nun Jesus ihre Bosheit merkte, sprach er: Ihr Heuchler, was versucht ihr mich? Zeigt mir die Steuermünze! Und sie reichten ihm einen Silbergroschen. 20 Und er sprach zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Als sie das hörten, wunderten sie sich, ließen von ihm ab und gingen davon.

Ihre Alida Weinert

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Pastorin Weinert

Corona-Andacht (4.) Jeder Abschied ist ein kleiner Tod?

Ich: Warum nach Ostern immer noch vom Tod sprechen?
Weil weiterhin gestorben wird, sagst Du.
Recht hast Du, sage ich.
Außerdem, sagst Du, dass es ja von so vielem erneut heißt Abschied nehmen. Neue Fristen gibt es, was wann losgehen kann und möglich sein wird. Wie die Haare liegen ist bis zum 4. Mai fast egal, aber das mit der Schule und der Kita und dem Hort und dem geplanten Urlaub, das treibt Dich um, sagst Du. Und ich wieder: Das ist Klagen auf hohem Niveau, wissend, dass ich damit meinem Gegenüber nur wenig des von ihm erhofften Verständnis entgegenbringe.
Du entgegnest, dass Du zwischen Kurzarbeit als nichtsystemrelevant und home office Deiner Partnerin trotzdem nichts beschickt bekommst mit homeschooling und so. Und dass Du ja wohl auch mal klagen könntest, wenn nicht bei mir, wo dann. Und ich wieder: Du hast Recht.
Von vielem nimmst Du Abschied auf lange Zeit. Und ich akzeptiere das große Wort, als Du sagst: jeder dieser Abschiede ist wie ein kleiner Tod. Ich möchte Dich verstehen.
Ich wieder: Stell Dir vor, über Nacht passiert ein Wunder und Du wachst morgen auf und irgendwas ist anders, also nicht irgendwas sondern Deine Klage ist weg, woran würdest Du das merken.
Du sagst: Ich würde es daran merken, dass ich Hoffnung haben kann.
Ich wieder: Hoffnung haben können ist ein großes inneres Geschenk. Hoffnung auf Wiedersehen nach dem Abschied, Hoffnung auf Leben nach dem Tod. Wie sieht diese Hoffnung aus, wie fühlt sie sich an, ist sie groß oder reicht sie klein aus?
Und Du sagst: meine Hoffnung wäre bunt wie ein Leben in Freiheit, stark wie ein Superheld, der alles besiegt und mir sagt: alles wird gut; meine Hoffnung wäre groß wie der höchste Berg um der Gefahr zu drohen und klein wie die kleinste Muschelperle im Meer, um das Böse zu entzaubern mit ihrem Glanz; meine Hoffnung wäre sanft wie Engelsflügel und kraftvoll wie die Elemente.
Und ich wieder: So wie Du es aussprichst, ist sie doch schon längst in Dir. Diese Hoffnung auf Wiedersehen und Neuanfang. Ach ja, passend zu Deinem Hoffnungsbild fällt mit da was ein:
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Röm 8,38f

Ihre Alida Weinert

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Pastorin Weinert

13. April 2020 Ostermontag - Geister und Gespenster (Lukas 24, 36-45)

Geister und Gespenster. Sie Gruseln uns, sie faszinieren uns, sie jagen uns Angst ein. Es ist kein Wunder, dass die Geschichten, mit denen wir uns anregen, oft voll sind mit diesen Gestalten. Sie können durch Mauern gehen, unvermittelt irgendwo auftauchen. Vor allem aber erinnern sie uns immer auch an den Tod, denn sie kommen ja von der anderen Seite. Das ist der wahre Grusel von Geistern. Andererseits sind sie auch irgendwie unecht. Sie sind oft fast durchsichtig, sie haben keine Substanz, man kann sie nicht anfassen. Deswegen haben sie auch eigentlich keine Macht über uns. Wenn es sie gäbe, sie könnten uns nichts tun, weil sie nur Schemen sind. Aber sie erinnern uns an den Tod, deshalb machen sie uns Angst.

Mit den Jüngern war es nicht anders. Traurig saßen sie zusammen nach der Kreuzigung von Jesus und tauschen ihre Erfahrungen aus. Sie haben sich in einem sicheren Raum eingeschlossen, denn sie haben Angst vor denen, die Jesus gekreuzigt haben. Dann passiert das:
Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm's und aß vor ihnen.
Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.
Ein Geist, so dachten sie. Dabei hatten sie eh schon Angst vor dem Tod! Ein Geist, so sagen manche auch heute noch, eine Einbildung der Jünger. Vielleicht hat auch mancher von den Jüngern gedacht, er halluziniert. Aber Jesus ist kein Geist. Er ist immer noch ganz echt. Man kann ihn immer noch anfassen. Er isst sogar mit seinen Jüngern. Schließlich besteht kein Zweifel mehr. Es ist kein Geist, der da vor ihnen steht. Das ist Jesus, ganz in echt!
Zu wissen, dass Jesus da ist, ganz echt, hat den Jüngern unglaubliche Kraft gegeben. Größte Schwierigkeiten konnten sie im Leben meistern, weil sie Jesus bei sich wussten. Auch uns steht diese stärkende Gewissheit seit diesem ersten Osterfest offen: Jesus ist da, ganz echt! Eine Zusage, deren Stärkung wir gerade in diesen Tagen gut gebrauchen können.

Hörvorschlag: Jonathan Böttcher, Danke, dass du da bist, 1996.

Pastor Gieseke

12. April 2020 Ostersonntag - Maria (Joh 20, 11-18)

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.  Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!  
Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.  Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.

Wo ist die Liebe hingekommen? Eben war sie doch noch da, Maria weiß, diesmal war es anders als bei anderen Lieben. Belächelt mich ruhig, denkt sie und weiß es besser. Maria sucht. Maria ist im Tunnel, kann nicht denken, nicht sehen, stur geradeaus. Sie ist weg, die Liebe und wie soll sie ohne weiterleben? So oft hat sie schon von vorne angefangen. Sie kennt die Lieben, die zu Ende gehen und die, die an Bedingungen geknüpft sind. Wer spricht da eigentlich die ganze Zeit mit ihr? Warum textet sie der Gärtner zu? Sie möchte ihre Ruhe haben. Als sie ihren Namen hört, erschreckt sie. So hat doch nur diese Liebe ihren Namen ausgesprochen. Der Tunnel weitet sich und sie erkennt, dass die bedingungslose und endlose Liebe Gottes auch vor dem Tod nicht halt macht. Ihn überlebt, und zusammenführt, was getrennt ist.
Wenn Gott „Maria“ zu Dir sagt, dann bist Du gemeint, ja, genau Du. Bedingungslos und endlos!

Maria, (…) ich kann dich fühlen, wenn der Wind weht, fühle dich durch das Wetter und auch wenn wir getrennt sind fühlt es sich an, als wären wir zusammen

( Hörvorschlag: Carlos Santana, Maria Maria, 1999)

Pastorin Weinert

10. April - Karfreitag - Der Richter (2. Korinther 5, 19-21)

Mir geht in diesen Tagen eine Geschichte durch den Kopf, die ich zuerst in Südafrika hörte:
Zwei Freunde, junge Männer, scheinbar unzertrennlich, machen sich auf den Weg ins Leben. Ihre Wege führen in verschiedene Richtungen. Der eine, geschickt und talentiert, beginnt eine Kariere als Jurist und wird schließlich ein angesehener Richter.
Der andere hat nicht so viel Glück. Er stolpert von einem Problem in das nächste. Er hat ein unglückliches Talent dafür die falschen Entscheidungen zu treffen. Gewollt oder ungewollt bringt er sich immer wieder in Schwierigkeiten.
Es kommt, wie es kommen muss. Nach vielen Jahren sehen sie sich wieder, weil der Unglücksrabe vor dem Richterstuhl seines früheren Freundes steht. Dieses Mal steckt er wirklich in Schwierigkeiten. Er wusste nicht mehr ein noch aus, wollte für seine Familie endlich alles gut machen. Deswegen hatte er sich mit den falschen Leuten eingelassen.
Nun trifft es ihn hart. Eine große Geldstrafe droht in seinem Fall, die er natürlich nicht würde bezahlen können. Dann bliebe nur die Haft. Aber wer würde sich dann um seine Familie kümmern? Er fleht das Gericht um Gnade an.
Was soll nun sein Freund auf dem Richterstuhl tun? Die Beweise sind erdrückend. Ihn für nicht schuldig zu erklären wäre eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Aber kann er ihn und seine Familie verdammen?
Schließlich spricht der Richter sein Urteil: Schuldig im Sinne der Anklage! Entweder wird die Strafe gezahlt, oder der Mann Muss ins Gefängnis.
Dann wird es plötzlich still im Saal. Der Richter erhebt sich. Er legt seinen Talar ab und steigt herunter von seinem Richterstuhl. Er geht schnurstracks auf den Protokollführer und Notar zu. Er bezahlt die Strafe seines Freundes. Er schließt seinen Freund in die Arme und begleitet ihn nach Hause zu seiner Familie.

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Hörvorschlag: PUR, Fallen, 1985.

Pastor Gieseke

9. April 2020 - Gründonnerstag-Maskenball (Mt 26,17-30)

Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?  Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern. Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm. Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich's? Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.  Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Ich stelle ihn mir vor: Maskenball in Venedig, funkelnde und glitzernde Verkleidungen, pompös, aufwendig ausgestaltet, buntes Treiben, wochenlang draufhingearbeitet auf dieses Fest. Guiseppe geht als Clown. Seine Maske zeigt Mundwinkel, die nach oben zeigen. Albern will er nicht sein, aber fröhlich wirken und will das auch ausstrahlen: Freude, ja, wenn es geht noch Sicherheit und Zuversicht obendrauf. Das Leben ist ja so schon schwer genug, da möchte er heute den anderen nicht wie ein Trauerkloß gegenübertreten. Grund zum Trauern hätte er: Im letzten Monat ist er seinen Job losgeworden. Seiner Familie hat er nichts davon erzählt, er versucht auf alle mögliche Art und Weise Geld zu verdienen, auch mal als Clown - erkennt ihn ja keiner, das ist das Gute daran. Guiseppe fühlt sich weder sicher noch zuversichtlich. Aber er möchte sich nicht gehen lassen. Und er möchte sie trotzdem geben: Sicherheit und Zuversicht.
Ich beobachte wie Guiseppe seine Scherze mit den übrigen Karnevalisten treibt, wie er sie zum Lachen bringt, Selfies gemacht werden, sich in den Armen gelegen wird.

Jesus trägt keine Clownsmaske als er mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feiert. Er ist nüchtern, direkt in dem, was er durch die Blume sagt: Das war es jetzt hier erstmal mit uns, und einer von Euch wird sich dabei nicht mit Ruhm bekleckern. Jesus behält die Fassung vor den anderen, vor denen, die ihm anvertraut sind. Und er schafft es, obwohl er weiß, was ihm bevorsteht, noch Sicherheit und Zuversicht zu verströmen: „mit euch in meines Vaters Reich“. Jesus spricht eine gemeinsame Zukunft an, obwohl die Gegenwart für ihn abrupt ein Ende haben wird. Und warum sollte bei diesem letzten Essen nicht auch noch gelacht worden sein zwischendurch?

Manchmal sind wir stärker als wir denken. Und manchmal hilft uns eine Maske dabei. Eine Maske, die nicht verschleiert und verzerrt, aber eine, die uns hilft, das Positive und Gebotene zu betonen. Dann entwickeln wir ungeahnte Kräfte. Und wissen dennoch, dass da einer ist, wenn auch wir keine Maske mehr finden, die uns passt. Da bleibt einer, der auch uns Sicherheit und Zuversicht gibt.

Hörvorschlag: Edith Piaf, non je ne regrette rien, 1960.

5. April 2020-Palmsonntag-Einzug auf vier Hufen (Mt 21,1-11)

Ein Esel in der Kirche?

Kein Problem. Familie Poppe aus Ruschwedel war sofort bereit, an Palmsonntag ihren Esel wohlbehalten in die Transportbox zu hiefen und zur Kirche nach Apensen zu fahren.

Eine gefüllte Kirche mit Kinderchor und Tauffamilien, Gemeinde und Konfirmand*innen wollte den Esel gebührend empfangen. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle an Familie Poppe für die Bereitschaft.

Ich stelle mir vor, was in dem Esel vorgehen mag. Immerhin weiß er ja, dass seine Zunft eine bedeutende Rolle im Leben Jesu spielte. Schon bei Jesu Geburt war ein Vertreter der Eselfamilie dabei gewesen. Als er so lostrabt Richtung Kirchentür, kommt ihm diese Geschichte in den Sinn:
Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!  Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.  Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):  »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«  Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,  und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.  Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.  Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!  Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der?  Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.

Esel ist hin- und hergerissen. Auf der einen Seite ist es ihm eine Ehre, auch beim Einzug in die Kirche äh in Jerusalem, Jesus seine Dienste anzubieten. Auf der anderen Seite ist ihm der ganze Rummel irgendwie zu viel. Es geht ja schließlich nicht um ihn. Und warum Jesus sich ausgerechnet ihn aussucht, wo er doch manchmal gar keine Lust hat sich zu bewegen und viel lieber mal herumsteht und sich die Dinge betrachtet. Gerade dieser Volksauflauf in der Kirche äh in Jerusalem wäre es doch wert, stehenzubleiben und zu gucken. Vielleicht fällt ja ein Apfel dabei für ihn ab.
Aber nein, besinnt er sich: Es geht hier nicht um mich. Jesu braucht mich, ich stehe im Dienst einer wichtigen Mission. Ich stelle mich zurück, um Jesus hinzubringen, an den verhängnisvollen Ort. Doppelt stelle ich mich zurück. Ich bringe ihn nicht nur hin, obwohl ich vielleicht gerade lieber was anderes täte, ich bringe ihn auch noch dahin, obwohl ich weiß, dass es ihm da nicht gutgehen wird. Kurz überlegt er, ob er mit Jesus nicht in die entgegengesetzte Richtung abhauen soll.

Esel steckt auch in uns: wo stellen wir uns zurück für etwas Wichtiges? Wo fahren wir runter, damit Anderes wichtig werden kann? Und im doppelten Sinne: Wo stellen wir uns zurück für etwas, was auf den ersten Blick nicht gutauszugehen scheint, von dem wir aber instinktiv wissen, dass es nötig ist? Aktuelle Gedanken in diesen Tagen.
Esel kennt die Geschichte von Anfang bis Ende. Er weiß, dass da noch was kommt, und wenn man ihn fragen würde, ob er Jesus auch vom Kreuz zum Grab getragen hätte: Esel hätte nicht lange gezögert.

Hörvorschlag: Adel Tawil, DNA, 2019

Corona-Andacht (3.) - Die Exit-Strategie

Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich hineingeht, der wird selig werden.
(Johannes 10,9)
Noch klingt er mir im Ohr, der Brexit, oder - etwas aktueller - der Megxit. Nun also ist er in aller Munde: der Exit vom Exit, der Ausstieg vom Ausstieg. Es soll wieder losgehen mit dem öffentlichen Leben, sagen die einen, wir stehen noch ganz am Anfang mit den Einschränkungen, sagen die anderen.
„Mir steht es schon bis hier“ mögen die denken, die schon in Woche II nicht mehr wussten, wie es alles werden soll. Ja, zum Glück sind wir gesund, aber die Sorge um die Existenz macht weiterhin krank, mögen die sagen. Das öffentliche Leben wieder hochfahren, Türen aufmachen, Hebel umlegen - fordern die einen. Weiter dicht machen, die anderen.
Es gibt zur Zeit Türen, die wir nicht aufmachen dürfen, Türen, durch die wir nicht hindurchgehen dürfen. Um unserer selbst willen und um der Gesundheit anderer willen. Ich denke an Jesus, er macht im Laufe seines Lebens viele Türen auf. Die zu mehr Mitmenschlichkeit, zu mehr Geduld, aber auch die rigoroseren Türen des zu sich selbst Stehens und des Leidens. Bald öffnet er sogar die Tür zum Tod. Und er geht hindurch, ohne dass die Tür hinter ihm zuklappt. Er geht hindurch zum Leben. Vor und ohne ihn, wäre diese Tür uns verschlossen geblieben, die Tür zum ewigen Leben.
Was wiegt diese Tür im Hinblick auf die vielen Türen, die ich für eine kleine Weile nicht durchschreiten kann. Wiegt sie nicht viel mehr?
Wir hatten vielleicht alle mal eine Oma, die den Satz sagte: Wenn irgendwo eine Tür zugeht, geht woanders eine Tür auf. Die Tür, die Jesus öffnet, verspricht Zukunft trotz der Krise. Also eine kleine Zeit noch an verschlossenen Türen von Schuhläden, Baumärkten und Cafés vorbeigehen, mit der Aussicht auf ein offenes Grab an Ostern, eine offene Tür zum Leben.
Exit in eine neue Welt, zwar mit Corona, aber mit der Hoffnung, dass die Sorgen nicht das letzte Wort haben werden, sondern ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen werden. Weil Jesus eine andere Tür aufmacht, die der Hoffnung.

Ihre Alida Weinert

Bei Gesprächsbedarf über Gott und Corona melden Sie sich gerne, Tel. 819

Corona-Andacht (2.)

Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn. (Sprüche 12,25)

Ich kann vieles stornieren, lerne ich dieser Tage. Urlaube zum Beispiel, oder Konzerte, oder Theater, oder Kaffeefahrten. Alles retour! Das ist nach Corona-Woche I noch zu verschmerzen. Immerhin, solange die Rückerstattung läuft, ist es Klagen auf hohem Niveau. Gemerkt, dass das alles nicht lebenswichtig ist, habe ich. Hauptsache gesund. Wie oft ist mir das schon über die Lippen gekommen. Aber habe ich es zu schätzen gewusst?

Was ich nicht stornieren kann dieser Tage: mein Leben.
Was mir schwerer fällt als jede Urlaubsabsage: die Kontakte zu Menschen abzubrechen aus Vorsicht und Rücksicht. Nicht mehr zu Oma oder Opa.
Was ich nicht „retour“ schicken kann: die Sorge um die Gesundheit und die Sorge um den Arbeitsplatz.
Diese Sorge bleibt, auch, wenn ich in Woche I demütig geworden bin und die Tatsache zu schätzen gelernt habe, dass ich hier auf dem Land wenigstens noch frei in den Garten gehen kann. In Woche II schlägt die Sorge zu: Wie lange kann ich mir das leisten zum Nichtstun verdammt zu sein? Stecke ich mich auch noch an? Verliere ich meine Existenz?

Sorge im Herzen bedrückt den Menschen. Aber ein freundliches Wort erfreut ihn: wunderbar zu sehen, dass Rettungsschirme gespannt werden und zwar nicht erst übermorgen. Wunderbar zu hören, dass durch die Mithilfe aller, eine Ausgangsperre verhindert werden konnte. Wunderbar zu erleben, dass sich jeder zusammenreißen kann, wenn es drauf ankommt.

Ein freundliches Wort erfreut den Menschen: Du, ja Du da, wo Du das hier gerade liest: Du bist super. Und Du machst das gerade super. Und Gott geht mit Dir seinen Weg, gerade jetzt in der Passionszeit auf dem Weg hin zu Karfreitag.
Jesus schleppt auch Corona mit ans Kreuz. Gut zu wissen, dass nach Karfreitag Ostern kommt, auch wenn wir den Sieg über Corona vielleicht erst später feiern können.
Du schaffst das! Auch in Woche III wirst Du das schaffen! Und wenn Du es geschafft hast, wird jeder Latte Macchiato in einem gut gefüllten Straßencafé zu purer Lebensfreude werden, jede Umarmung ein Festakt, jeder Arbeitstag ein dankbarer Tag und jeder Urlaub wie ein verbotenes Glück.

Mein freundliches Wort: explodierende Lebensfreude! Deins auch?

Ihre Alida Weinert

Bei Gesprächsbedarf über Gott und Corona melden Sie sich gerne, Tel. 819

Corona-Andacht (1)

Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Mt 6,34

Vielleicht verstehe ich Jesu Worte in diesen Tagen zum ersten Mal. Denn ich mache mir immer Sorgen um das Morgen. Corona zeigt mir, dass ich keine Aussagen machen kann über das Morgen. Ich kann für heute entscheiden, aber morgen kann schon wieder alles ganz anders sein. Morgen muss ich vielleicht anders reagieren, als ich es heute hätte. Ich lebe im Moment, im Hier und jetzt und kann vieles nicht tun, was ich sonst getan hätte. Und ich habe plötzlich mehr Zeit als sonst. Und ich denke an die, die sich um ihr Einkommen oder ihre Versorgung sorgen.
Zwangspause, Entschleunigung, Runterfahren. Meinen Urlaub kann ich vielleicht noch stornieren, aber mein Leben nicht. Ich kann nicht auf Stopp drücken und auf Sommer vorspulen.
Ich muss im Moment leben.
Und wenn ich mich nicht von den Sorgen auffressen lassen möchte, muss ich mich mit ihnen arrangieren. Kann die Zeit füllen, damit sie nicht lang wird:

  • Den Garten in Schuss bringen an der frischen Luft und hinterher sehen, was ich geschafft habe.
  • Statt auf die Medien fluchen sie nutzen, um mit E-Mail, WhatsApp und allem Möglichen mit den Menschen in Kontakt zu bleiben.
  • Beten für die, die krank sind und für die, denen diese Krise die Existenz bedroht,
  • über mein Leben nachdenken und überlegen, was ich immer schon mal anders machen wollte,
  • Pause machen,
  • danken für alles, was so selbstverständlich geworden ist.

Bleiben Sie gesund!
Ihre Alida Weinert

Wenn Sie Gesprächsbedarf haben, einfach mal quatschen wollen über Gott und Corona und was diese Situation mit Ihnen macht, Sie erreichen mich unter der Telefonnummer: 819.

Pastor

Olaf Gieseke
Olaf Gieseke
Fliederbeerweg 13
21643 Beckdorf
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Alida Weinert
Alida Weinert
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